Topmodisch durch den Wald

Die neue Trendsportart heißt … ‚Wandern‘“, so verkündete es neulich ein Bericht im Radio.
Unter dem Motto ‚Topmodisch ausgerüstet durch den Wald‘ berichteten die da von einer Outdoor-Messe.

Topmodisch ausgerüstet durch den Wald? – Das kannte ich bisher nur aus Bundeswehrzeiten. 😉
Aber „Wandern“?
Wandern ist für mich untrennbar damit verbunden, dass ich als Kind mit Oma zum Cafe Waldfrieden in Trier-Euren gelatscht bin.
Und als Kind mit kurzen Beinen kommt einem jeder Weg zu lang vor.

(Seltsam, warum haben die Marketingabteilungen sich eigentlich keine englisch klingende Bezeichnung ausgedacht, so wie bei „nordic walking“ oder Workout. – Wie wär’s mit „Wandering“?)

Also für eine vernüftige Ausrüstung muss man schon 500 Euro ausgeben“, meinte der Marketingmann im Interview. „Die Schnitte sind dieses Jahr figurbetonter und die Farben modischer.“

Na gut … auch ich hatte diese Phase, bei der ich bis zum Schweißbad durch den Wald laufen musste und atmungsaktive, „funktionelle“ Sportbekleidung kaufte.  Die allerdings bei Aldi und ähnlichen Discountern. Da ist das nämlich preiswerter – und wahrscheinlich genauso gut.
Doch irgendwann kam ich mir in den hautengen functional wear, an denen sofort jeder Jogger schon von weitem zu erkennen ist, doof vor.
Heute reicht mir eine Jeans und mein altes T-Shirt, auf dem Homer Simpson in Siegerpose verkündet „Never too old to rock“.

Schon aus Protest!

Das hat natürlich den Nachteil, dass man eben nicht als Nach-Feierabend-Bauchweg-Sportler ausgemacht wird.
So manch einer wird von mir denken: „Arme Sau, hat kein Auto oder Fahrrad – und muss zu Fuß durch den Wald latschen.“
Falls man nicht direkt als möglicher Perverser ausgemacht wird, der im Wald nach potenzieller Beute späht.

Mir auch egal … ich geh dann mal spähen! 😀